In der Installation „Cold Metal Bodies“ von Alice Channer begegnen sich natürliche Eleganz und industrielle Präzision. Ein Dialog, der sich auch in der Mercedes-Maybach S-Klasse findet – dort trägt der Einsatz von unter anderem Straußenfedern dazu bei, jede Oberfläche für ein makelloses Finish vorzubereiten.
Im Rahmen der Ausstellung BETRIEBSBEREIT (6. – 14. September 2025) nutzten wir das industrielle Ambiente der Wihelm Hallen in Berlin – einer einstigen Eisengießerei – für ein Shooting der besonderen Art. „Cold Metal Bodies“ wurde gemeinsam mit einer Mercedes-Maybach S-Klasse fotografiert. Und nicht nur das – wir konnten zudem die Künstlerin Alice Channer gewinnen, in einem Videointerview vor Ort über diese einmalige Begegnung und ihre Inspiration für das Kunstwerke zu sprechen. Film ab!
Cold Metal Bodies
Die Installation „Cold Metal Bodies“ besteht aus fünf Edelstahlketten, die von der Decke herabhängen. An jeder Kette sind auf unterschiedlicher Höhe Reinigungsscheiben mit Straußenfedern angebracht. Hier prallen also zwei sehr unterschiedliche Materialien aufeinander: festes, kaltes Metall und weiche, schmiegsame Federn. Das Kombinieren gegensätzlicher Werkstoffe ist typisch für die Arbeiten der Künstlerin Alice Channer. Meistens verbindet sie organisches mit künstlichem Material und verweist so auf die jahrhundertealte Debatte über das Verhältnis von Natur und Technik. Mit ihren Skulpturen wirbt Channer für einen reflektierten und vor allem ausgewogenen Umgang mit beiden Kategorien.
Im Falle des Kunstwerks „Cold Metal Bodies“ nimmt Channer auf die Herstellung von Straußenfedernbürsten Bezug, die auf handwerklicher Feinarbeit beruht: Dabei werden zuerst die intaktesten, längsten und gleichmäßigsten Straußenfedern ausgewählt. Anschließend werden diese händisch auf zylindrische Körper geklebt. Die Bürstenringsegmente lassen sich in unterschiedlicher Länge aneinanderreihen. In Channers Kunstwerk tritt der Nutzen der Bürsten aber zugunsten der ästhetischen Wirkung der schwarzen Prachtfedern in den Hintergrund.
Die Straußenfeder galt schon im Altertum als Objekt der Begierde, damals wurde sie als Schmuck genutzt. Im Alten Ägypten war sie wegen ihrer Symmetrie ein Symbol für Gerechtigkeit. Und spätestens seit dem 18. Jahrhundert waren gerade die weißen Schwanzfedern bzw. Handschwingen an den Flügelspitzen ein modisches Must-have für Hüte und andere Accessoires. Aufgrund der großen Nachfrage wurde im 19. Jahrhundert mit der Zucht von Straußen begonnen. Heute gibt es die meisten Straußenfarmen in Afrika. Sie dienen in erster Linie der Gewinnung von Fleisch, nur ein geringer Teil der Zucht gilt den Federn. Die Bürsten, die im Kunstwerk von Alice Channer verarbeitet sind, stammen von einem Hersteller in Baden-Württemberg, der seine Federn aus artgerechter Tierhaltung bezieht.



Channers Inspiration für das Kunstwerk „Cold Metal Bodies“ ist unmittelbar mit der Automobilbranche verbunden: Die Künstlerin hat in einer Automanufaktur von dem Einsatz der Straußenfederbürsten erfahren. Die Bürsten werden dort zu Beginn des Lackierungsprozesses von Fahrzeugen eingesetzt: Rotierende und mit Straußenfedern ausgestattete Walzen nehmen beim Gleiten über die Karosserieoberflächen feinste Staubpartikel auf. Die weichen Federn verhindern auch, dass die Oberfläche zerkratzt wird. So werden schöne, fehlerfreie Lackierungen auf sauberen Untergründen ermöglicht. Auch bei Mercedes-Benz kommen bei der Lackierung einiger Fahrzeugmodelle Walzen, die unter anderem mit Straußenfedern bestückt sind, zum Einsatz. Hier treffen also zwei hochqualitative Produkte aufeinander, die beide handwerkliche Präzision zur Grundlage haben.
Die Künstlerin Alice Channer (geb. 1977, lebt und arbeitet in London) ist bekannt für ihre Skulpturen und Mixed-Media-Installationen, in denen sie unsere Beziehung zu verschiedenen Objekten erforscht. Dabei interessiert sich die Künstlerin vor allem für die symbolische und funktionale Bedeutung der gewählten Materialien. Sie konzentriert sich auf Produktionstechniken, die aus eher kunstfernen Bereichen stammen – etwa aus der Chemieindustrie oder dem hochpräzisen Verfahren des CNC-Fräsens.