Für die Werkgruppe hard:edged nutzt Gerold Miller handelsübliche Profilleisten mit identischer Grundform, sie variieren nur in der Stärke je nach Größe des entstehenden Objekts. Die Farbe wird aus dem Angebot einer Lackiererei ausgewählt. Der Farbauftrag ist perfekt. Das persönliche Moment, also jegliche Form von Pinselstrich, wird vom Künstler bewußt so weit wie möglich vermieden. Diese Arbeitspraxis zielt darauf ab, den Blick der Betrachtenden auf das Bildobjekt selbst zu lenken und grundsätzliche Fragen an die Funktion und Wahrnehmung von (abstrakten) Bildern zu stellen. Müssen diese flach und flächig gemalt sein oder ist nicht jedes Gemälde immer auch ein dreidimensionales Objekt, das Raum einnimmt? Welche Rolle spielt die Wand als Träger von Gemälden? Sie ist essenziell, das verdeutlicht der Künstler mit der gelben und roten Struktur, die die dahinterliegende Wandfläche exponieren. Gerold Miller zerlegt das klassische Bildformat in seine einzelnen Komponenten und führt in dieser Analyse die Grenzen und Möglichkeiten von Bildhaftigkeit vor Augen. Seit den1990er-Jahren erkundet er, was ein Bild im Grenzbereich von Skulptur, plastischem Objekt und Relief ausmacht. Damit schließt Miller an Fragen an, die von zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern seit den 1950er-Jahren immer wieder gestellt und anders beantwortet werden.



